yacht

Törnbericht St. Augustine /FL nach St. Lucia / Karibik

Im März 2009 sollten wir bereits unsere 2. Hunter 45 DS in Florida ausliefern. Der Auslieferungshafen bzw. die Marina wo das Schiff eingewassert und geriggt werden sollte, war St. Augustine/FL. Die Marina ist gerade mal 2,5 Std. von der Hunter-Werft entfernt und befindet sich überdies ebenfalls im Besitz der Luhrs-Brüder, also der Werftbesitzer.
Zunächst äußerte der Eigner die Bitte, das Boot nach der Einwasserung zum Port Everglades in Fort Lauderdale zu segeln wo es an Bord eines Frachters der Dockwise-Reederei sollte. Diese Reederei hat ein System entwickelt, bei dem das aufgeriggte Schiff einfach in das geflutete Frachtschiff gefahren wird und anschließend auf einem Lagerbock trocken fällt. 

Diese Art des Transports ist allerdings verhältnismäßig kostspielig. Auch kann man bei dieser Art des Transports nie so ganz genaue Abfahrtszeiten bekommen, d.h. es muß Sich in einem bestimmten Zeitraum immer irgendjemand bereithalten, um dann das Schiff an Bord des Frachters zu fahren. Einfacher erschien uns da, den direkten Transport nach dem Einwassern durchzuführen. Da den Eigner dies auch wesentlich günstiger kam, wurde dies dann auch vereinbart. Wir begannen also mit unseren Freunden Klaus und Marion die gesamte Reise zu planen.

Da auf dem Schiff auch ein Windgenerator installiert werden sollte, konnte sich Klaus, Fan von regenerativen Energien, ganz besonders für die Reise erwärmen. Am 9.3.2009 trafen wir in der Marina „St. Augustine Marine“ ein um umgehend mit dem „Aufbauen“ des Bootes zu beginnen. Am 14.3. 2009, nachdem der Windgenerator „SUPERWIND“ angebaut, das Boot geriggt, die Sprayhood installiert und alle Funktionsprüfungen durchgeführt waren, liefen wir gegen 13.00 Uhr aus der Marina aus um auf dem ICW (Intercostal Waterway ), vorbei an St. Augustine (älteste Stadt der USA) zum Atlantik zu gelangen.

Nach der Durchfahrt der „Bridge of Lions“, fanden wir uns plötzlich in einer fast undurchdringlichen Nebelwand wieder. Es dauerte nicht lange, bis uns die patrolierende  Coastguard bat, die Passage auf den Atlantik hinaus erst am nächsten Tag in Angriff zu nehmen. Auch zahlreiche revierkundige Skipper kamen wieder zurück uns signalisierten uns, eine Marina anzulaufen. Da wir weder das Schiff des Kunden noch uns gefährden wollten, taten wir dies dann auch und konnten am Morgen des 15.3.2009 gegen 9.00 Uhr dann bei klarstem Wetter den Atlantik unter den Kiel nehmen.

Bei Wind aus SO erlebten wir nach Sonnenuntergang, gegen 19.30 Uhr, den Start eines Space Shuttles von Cape Canaveral aus. Gegen 4.00 Uhr morgens erreichten wir das Seegebiet, in dem die abgesprengten Antriebsraketen niedergehen und sehen prompt bald darauf die Bergung durch ein Schiff der Marine. In der folgenden Tagen sehen wir ,meistens nach Sonnenuntergang, hellerleuchtete Casinoschiffe die Ihre spielende Klientel von den Bahamas oder von Miami aus auf den Atlantik hinausschippern. Schreck!!! In der Nacht vom 19.auf 20.3. gegen 2.00 Uhr, fällt der Antriebsmotor unseres Autopiloten aus.  Nach kurzer Beratung war uns klar, dass wir zumindest bis zum Morgen nichts unternehmen konnten. Gegen 9.00 Uhr riefen wir per Satelittentelefon in der Hunterwerft  an um das ganze mit Technikchef Eddie Breeden zu besprechen. Dieser organisierte kurzentschlossen die Lieferung einens neuen Antriebs durch die Firma Lewmar.

Da wir unsere Route so gelegt hatten, dass wir durch die „Mona Passage“ zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico ins karibische Meer gelangen sollten, mussten wir nun umdisponieren. Der puertoricanische Hunter –Händler hat sein Büro in der Marina Puerto del Rey am südöstlichen Ende von Puerto Rico. Da wäre die urprünglich geplante Route  doch ein Umweg. So setzten wir also Kurs auf die SO-Spitze von Puerto Rico. Der Antrieb sollte ab Montag den 23.3.2009 für uns bereitliegen. Durch teilweise etwas windärmere Strecken liefen wir die Marina „del Rey“ dann am Dienstag 24.3.2009 um 10.30 Uhr an. Kurz ins Hafenbüro und zu den Behörden um Ein-und Auszuklarieren und dann stand auch schon der Hunter Händler Jim Vega mit unserem Ersatzteil da. Ganze 20 Minuten später war das Ding gewechselt. Was zuvor geleistet werden musste, war weniger belustigend. 550 Seemeilen !! per Hand gesteuert, durch 1 Sturm mit etwa 7m Wellenhöhe und monsunartigem Regenfall  mit ca. 200 m Sichtweite. 2 Stunden zu steuern, 2 Stunden (versuchen) zu schlafen, das ist für 2 Steuerleute 4 Tage und Nächte lang, nicht unbedingt das reine Vergnügen.

Nun, nach dem wir in Puerto Rico die Reparatur erledigt hatten, gönnten wir uns noch die folgende Nacht im Hafen. Wir lagen gut in der Zeit und hatten nur noch 360 SM bis St. Lucia. Am Morgen des 25.3.2009 gegen 9.30 laufen wir wieder aus. Die letzten 50 SM vor St. Lucia dreht der Wind von Halb auf Am und schläft dann am Morgen des 28.3.2009 komplett ein. So müssen wir die letzten 4 Stunden unter Motor fahren und laufen dann nach rund 1700 SM in die Rodney Bay auf St.Lucia ein. Noch die enge Einfahrt in die Lagune genommen, wo uns ausgerechnet ein Ausflugskat entgegenkommt und so gar nicht langsamer werden will. Na gut, der klügere (und schwächere) gibt nach, wir wollen ja schließlich nicht auf den letzten 300 m noch eine Havarie bauen. Ran an Steg 12 b und dann gibt’s erst mal ein schönes Frühstück.

Fazit zu Törn und Schiff: Die Hunter 45 DS erwies sich als robustes und sehr steifes Fahrtenschiff. Knarrgeräusche unter Deck waren auch bei starkem Seegang  nicht vorhanden, was auf eine wirklich stabile Rumpf-Decksverbindung sowie gut einlaminierte Schotten schließen lässt. Bei kleiner Crew ist die Verwendung von elektrischen Winschen auf jeden Fall angeraten. Beim Dichtholen des Großsegels wird der Druck doch teilweise heftig. Es kann  dann schon hilfreich sein, nur auf’s Knöpfchen drücken zu müssen. Auch die Anschaffung eines Drehflügel-Popellers kann als definitiv sinnvoll betrachtet werden. Der 3-Flügel Festpropeller nimmt bei blockierter Welle 1 Knoten Fahrt. Dies summiert sich bei einem längeren Törn doch beträchtlich.

Wir werden in Kürze, speziell für Hunter-Yachten optimierte Varioprops bzw. Varioprofile von SPW in der Preisliste anbieten. Ein weiteres Highlight für Segler, die gerne in Buchten übernachten oder längere Törns segeln, ist der SUPERWIND Windgenerator. Dieser Windgenerator hat uns während des gesamten Törns mit dem nötigen Strom versorgt, d.h. Kartenplotter, Autopilot, Log, Echo, Kühlschrank (die gesamte Zeit) sowie in der Nacht die Navi-Beleuchtung. Eine wirklich lohnende Anschaffung. Sie finden in Kürze auch für den SUPERWIND ein Komplettangebot incl. Einbau in unseren Preislisten.

>> Alle Bilder der Yachtueberfuehrung ansehen...

Einwasserung in St. Augustine - Florida